Aus dem Leben LIFESTYLE

Wenn Panik das Leben beherrscht | Teil 1

Heute habe ich wieder durch Zufall über einem Kommentar auf Social Media gestolpert, der meine Aufmerksamkeit erregte. Wiedermal schrieb jemand, er hätte Panikstörung. Bis vor zwei Jahren habe ich nie davon gehört, bis es mich selbst getroffen hat. Ich habe mich entschieden darüber zu schreiben. Einmal, weil ich es selbst endgültig verarbeiten und abschließen möchte, aber auch weil ich eventuell jemanden mit diesem Text zumindest zur Seite stehen kann. Ich möchte mit euch teilen, warum ich Panikstörung bekam und wie ich Panikattacken loswerden konnte.

Ich bin kein  Arzt und alles was du hier liest, ist meine eigene Meinung und Erfahrung. Nimm es mit wenn du magst, aber nimm es als eine fremde Erfahrung, mehr nicht.

Es gibt zwei Arten von Panikstörung. Eine, die psychisch bedingt ist und andere, die biochemische Ursachen hat. Wer meinem Blog folgt weiß, dass ich seit einem Jahr keinen Kaffee mehr trinke. Kein Arzt hat das jemals bestätigt, aber ich weiß, dass Kaffee bei mir Panikattacken verursacht hat.

Der Beginn der langen schrecklichen Reise…

Ich muss an dieser Stelle sagen, dass Kaffee in großen Mengen tatsächlich ungesund ist, aber nur bei sehr sensiblen und von Natur aus ängstlichen Menschen eine Panikstörung auslösen kann. Nicht jeder entwickelt das, nur weil er viel Kaffee trinkt. Denoch kann ich jedem der an Panikattacken leidet empfehlen, den Kaffeekonsum einzuschränken oder es gar ganz sein zu lassen. Wie gesagt, kein Arzt hat mir das jemals bestätigt oder mir sonst irgendwie bei diesem Thema geholfen. Ich habe Panikattacken selbst in den Griff bekommen und der Kaffee spielte bei mir eine wichtige Rolle dabei.

Also, an einem Tag kurz vor dem Umzug in neues Zuhause bekam ich plötzlich Herzrasen. Die Zeit die danach kam, war die schlimmste meines Lebens und nur, nur weil ich mir heute sicher bin, damit umgehen zu können, schreibe ich darüber. Vielleicht hat es auch deswegen so lange gedauert, darüber öffentlich zu schreiben. Ich hatte “Nachwehen” – Angst, die geblieben ist, das Monster könnte zurückkehren.

Wer schon mal von Panikattacken gehört hat, weiß wie schlimm das ist und wünscht sich nichts mehr als diese Panikattacken loswerden zu können. Erst kamen sie einmal in der Woche, dann eine Weile gar nicht. Zum Schluss waren sie täglich da und ein fester Bestandteil meines Lebens.

Es begann alles mit kurzem, plötzlichen Herzrasen. Ich stand vor der Schule, wartete auf meine Kinder und fühlte plötzlich einen starken Herzschlag, Blut die mir in den Kopf schoss und einen Schock, der natürlich dazu kam. Erst beruhigte ich mich schnell, dann aber dauerte das immer länger. Ich hatte zu dem Zeitpunkt zwei Jobs, Umzugsstress und alles was sonst dazu gehört, wenn man einen Haushalt und drei Kinder zu managen hat. Ich hatte wenig gefrühstückt und schob es auf den Kreislauf.

Angst vor der Angst

Als sich die ganze Geschichte wiederholte, ging ich zum Arzt. Nichts, alles in Ordnung. Bis hierher schiebe ich heute alles auf Kaffee. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bestimmt über 7 Tassen am  Tag getrunken und vor allem ununterbrochen. Es stand immer eine Tasse auf dem Tisch. Wurde sie kalt oder leer, tauschte ich sie schnell gegen eine neue Tasse. Tage an denen ich 10 Tassen runter hatte, waren nicht selten. Das kontinuierliche Trinken aber war eher das Problem, finde ich. In meinem Blut floss inzwischen doch nur Kaffee. Ich wusste natürlich nicht , dass dieses leckere Getränk es mir so zu schaffen macht und trank den Kaffee “zu Beruhigung” weiter, denn nun kam auch die Angst dazu. Bin ich krank?

Die erste echte Panikattacke, war das schlimmste, was ich je erlebt habe.

Ich war Zuhause mit den beiden Mädchen und merkte, dass sich etwas anbahnt. Irgendwie bekam ich inzwischen eine sensible Antenne die Sekunden vorher schon Alarm schlug. Dann kam das Herzrasen und beschleunigte Atmung, als hätte ich einen Sprint gemacht. Dabei saß ich einfach da und fühlte mich als hätte ich Kilometer gerannt. Hätte ich das wirklich, gebe es die Angst nicht und ich wusste, dass sich das alles stabilisieren würde aber einfach so in aller Ruhe sich so zu fühlen ist, als ob man gleich einen Herzinfarkt bekommt und tot umfällt.

Da ich keine Ahnung von Panikattacken hatte, wusste ich nicht, wie ich mich richtig verhalten soll und atmete aus Angst, keine Luft mehr zu bekommen immer schneller. Der schlimmste Fehler den man machen kann. Denn in diesem Fall kann man schnell hyperventilieren, die Finger und Hände verkrampfen. Da mir auch das zu dem Zeitpunkt nicht bewusst war, war der erste Taubheitsgefühl im linken Arm für mich das sichere Zeichen gleich sterben zu müssen.

Ich kann euch nicht erklären, wie das ist. Das kann nur jemand verstehen, der es auch durchgemacht hat. Es ist nicht so ein übliches “Oh Gott, ich sterbe gleich” Gefühl, das man hin und wieder so hat, es aber nicht wirklich so meint. Das war ein sicheres Wissen zu sterben. Jetzt. In diesem Moment.

Ich konnte nur daran denken, dass meine beiden Töchter da mit mir alleine sind. Wenn mir etwas passiert, wer kümmert sich bis mein Mann kommt? Also, rief ich mit letzter Kraft (so kam es mir vor) noch den Notarzt. Gleich schon konnte ich nicht mehr stehen und meine Hände waren verkrampft und verkrümmt. Ein Apltraum.

Panikattacken loswerden dauert seine Zeit

Seitdem war die Angst mein ständiger Begleiter. Tag und Nacht. Trotz allen ärztlichen Untersuchungen hatte ich Angst krank zu sein und einfach tot umfallen zu können. Ich hatte Angst alleine zu bleiben und alleine unterwegs zu sein. Termine wahrzunehmen, auf die Kinder vor der Schule warten. Überall, wo ich fest saß, wollte ich nicht hingehen. Schon immer mied ich Aufzüge und geschlossene Räume, aber jetzt war auch das Stehen an der Schlange vor der Kasse ein Problem. Ein Zahnarzt Termin war unmöglich. Alleine zu sein war für mich die reinste Folter. Was, wenn es jetzt passiert? Diese Frage hat mich ein ganzes Jahr verfolgt und gedroht, mir das Leben langsam auszusaugen.

Panikattacken loswerden

Ich besuchte mehrere Ärzte, Notaufnahmen, Psychologen und Heilpraktiker. Heute kann ich zumindest sagen, dass ich mich hab ordentlich durchchecken lassen. Ich bin fit wie ein Turnschuh, wie man so schön sagt. Die Antworten der Ärzte waren immer die gleichen:

  • Stress
  • Unterdruckte Emotionen
  • Unterdruckte Wut
  • Kindheitstrauma
  • Probleme

Ich kann sie wirklich verstehen, viele Menschen bekommen tatsächlich gerade aus diesen Gründen Panikstörung.  Aber eben nicht alle. Außerdem denke ich, dass zwar dies die erste Panikattacke auslösen kann aber der Grund warum sie bleiben ein ganz anderer ist. Bei mir war der Kaffee der Auslöser, die Angst sorgte aber dafür, dass Panikattacken blieben. Es musste an zwei Baustellen gearbeitet werden. Aber erst, musste ich mir dessen bewusst werden.

Ich hatte nicht mehr Stress als die anderen (die beiden Jobs hatte ich inzwischen nicht mehr) und auch keine unterdruckte Emotionen oder Wut. Ich schwöre, ich habe gegraben und gegraben und nichts gefunden. Genauso wenig Kindheitstrauma oder besondere Probleme. Zumindest nichts, was diesen Alptraum rechtfertigen konnte. Ich fühlte mich so alleine mit meinem Problem. Zwar half mein Mann mir so viel er konnte, jeder hatte Verständnis – aber das war ein Problem, das ich alleine lösen musste. Wenn du eine Panikstörung hast, kannst du dir nur selbst helfen.

Ich habe ständig darüber nachgedacht, unzählige Bücher gelesen und wurde praktisch Experte in diesem Gebiet. Ich konnte und wollte das einfach nicht akzeptieren. Ich war gesund und wollte mich auch so fühlen. Es kann doch nicht sein, dass ich leide und nicht weiß, warum!

Und das konnte mir keiner genau sagen. Auch als ich nur noch 2 Tassen Kaffee am Tag trank, ging es mir nicht besser. Ich war unsicher ob ich mit meiner Theorie richtig lag. Und außerdem, war ja auch inzwischen die Angst da, die verarbeitet werden sollte um Panikattacken loswerden zu können.

Der Kaffee war der Auslöser, die sensible Natur der Nährboden und die Angst, die Garantie dass die Panik bleibt.

Fortsetzung in Teil 2

 

 

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7 Comments

  • Reply
    shadownlight
    16/07/2017 at 17:11

    Hallo, ein sehr grosses Thema und ich vermute von Menschen die darunter leiden gibt es nur Dunkelziffern. Ich finde es sehr mutig, dass du so offen darüber spricht.
    Liebe Grüße!

    • Reply
      Unalife
      16/07/2017 at 17:13

      Das denke ich auch, die meisten wollen nicht darüber reden. Schade, den genau das würde etwas helfen. Danke 🙂
      Liebe Grüße

      • Reply
        shadownlight
        17/07/2017 at 19:53

        Das sehe ich auch so. Aber unsere Gesellschaft gibt vor bei solchen Dingen lieber den Mund zu halten, denn es macht ja keinen guten Eindruck! Verkehrte Welt.
        Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche!

  • Reply
    Tati
    18/07/2017 at 17:15

    Huhu Vesna,

    vielen lieben Dank für diesen ehrlichen Beitrag. Ich denke, viele von uns haben mit ihren inneren “Dämonen” zu kämpfen, auf welche Art auch immer. Ich habe manchmal leicht depressive Tendenzen. Zum Glück habe ich bisher immer wieder alleine aus meinem Loch herausgefunden und es musste nicht behandelt werden, aber schön ist das nicht. Vor allem verstehen das die Wenigstens, wo ich doch ein so “lustiger” Mensch bin.

    Alles Liebe und herzliche Grüße – Tati

    • Reply
      Unalife
      19/07/2017 at 09:49

      Danke Tati, für deine Ehrlichkeit. Ich denke, je mahr Leute sich “trauen” darüber zu reden, desto mehr werden es. Es ist doch eigentlich normal bzw. üblich und da ist nichts schlechtes daran. Gerade wenn man darüber redet, fühlt man sich etwas besser und nicht alleine.
      Liebe Grüße

  • Reply
    Bettina Elberfeld
    30/07/2017 at 11:41

    Hallo, liebe Vesna

    Sitze grad im Urlaub mit einem Kaffee auf Terrasse und kam vom leckeren Schokokuchenrezept auf die Panickattacken…
    Das, was du bisher geschrieben hast, kann ich 1 zu 1 auf mich übertragen und ich habe direkt wieder diese schlimme Ohnmacht in der Zeit gespürt. Bei mir hat es , wie bei dir im Urlaub nach dem Essen mit einem Espresso angefangen.Das war der Auslöser und es folgten 2 grauenvolle Wochen hier auf Mallorca, bei dem wir als Familie überlegten, den Urlaub abzubrechen, weil ich nicht in Lage war ohne Schwindel, Herzrasen und Ängsten irgendwo hin zu gehen. Was dann folgte, war die wahrscheinlich übliche Odysee, die jeder durchläuft, wenn man sich mit den Symptomen noch nicht so auskennt. Durchchecken, Gewissheit, immer mal wieder Notaufnahme bis zu dem Punkt, an dem man weiss, das es so nicht weiter geht.
    Mittlerweile geht es mir gut. Ich bin , wie du, durch Infos von aussen ( ‘Jetzt’ von Eckhardt Tolle hat mir sehr geholfen ) ganz gut im Thema drin, habe das Meditieren wieder für entdeckt und versuche das umzusetzen und anzunehmen, womit mein Körper mich wachrütteln wollte.
    Und du hast vollkommen Recht : man muss alleine da durch ! Aber das Gefühl, wenn man es dann alleine geschafft hat, entschädigt ein bisschen für die herausfordernde Zeit.
    In diesem Sinne: lebt im Moment…
    Viele Grüße aus Mallorca, Bettina

    • Reply
      Unalife
      30/07/2017 at 16:21

      Du hast so Recht, das Gefühl es geschafft zu haben verändert einen sehr. Ich habe tatsächlich auch viel in dieser Zeit gelesen, was mir große Unterstützung war. Unter anderem Bücher von Louise Hay (das Thema ist etwas ähnlich wie E.Tolle) und ich finde auch, dass Meditation, das Leben im Jetzt und einfach positive Gedanke sehr, sehr hilfreich sind. Vielen Dank für Deinen Kommentar und viel Spaß noch im Urlaub 🙂
      Liebe Grüße
      Vesna

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